Psychotherapie für Kinder und Jugendliche Familien- und Erziehungsberatung Pforzheim/Enzkreis

Im Alltag sieht es so aus, als ob bestimmte Situationen unweigerlich zu bestimmten Reaktionen führen:

 Situation (A)

 Reaktion (B)

Jemand drängt sich vor dir in einer Schlange in der Schulkantine

Du ärgerst dich/drängst ihn wieder raus/schimpfst/schlägst/beklagst dich

Jemand schaut dich an, sagt irgendwas zu seinem Freund und lacht

Du ärgerst dich/bist beleidigt/schimpfst/greifst an/ziehst dich zurück…

Dein Freund/Deine Freundin hat ein Treffen mit dir kurzfristig abgesagt und sich statt dessen mit jemandem Anderen getroffen

Du ärgerst dich/bist beleidigt/machst Vorwürfe/ziehst dich zurück

 

Du sagst: „Wie hätte ich denn sonst reagieren können? Er hat doch…“ Als ob du dich in einem engen Tunnel befinden würdest und immer nur von A nach B bewegen könntest. Aber stimmt das wirklich?

Nehmen wir an, es ist nicht so und du bist freier in deinem Verhalten, als du denkst. Dann

Was bestimmt dein Veralten?

Wie kannst du es beeinflussen?

In Wirklichkeit, machst du noch einen Zwischenschritt auf dem Weg vom Auslöser (A) zur Reaktion (B), wenn auch meistens unbemerkt.

 Situation (A)

 Interpretation (I)

 Reaktion (B)

Jemand drängt sich vor dir in einer Schlange in der Schulkantine

Was für ein Schwein! Denkt er, er sei was Besseres? Will er mir meine Rechte klauen? Will er mich lächerlich machen? Man ignoriert mich immer, weil ich nichts wert bin…

Du ärgerst dich/drängst ihn wieder raus/schimpfst/schlägst/beklagst dich

Jemand schaut dich an, sagt irgendwas zu seinem Freund  und lacht

Sie lachen über mich. Alle finden mich lächerlich. Er erzählt bestimmt was Blödes über mich. Er will mich provozieren…

Du ärgerst dich/bist beleidigt/schimpfst/greifst an/ziehst dich zurück…

Dein Freund/Deine Freundin hat ein Treffen mit dir kurzfristig abgesagt und sich statt dessen mit jemandem Anderen getroffen

Er/sie mag ihn/sie mehr als mich. Er/sie ist so unzuverlässig! Keiner will mit mir befreundet sein…

Du ärgerst dich/bist beleidigt/machst Vorwürfe/ziehst dich zurück

Hier hast du vielleicht bemerkt, dass nicht die Situation an sich, sondern deine Gedanken dazu (I – Interpretation)  deine Reaktion bestimmen. „Ja, aber es ist doch das Gleiche! - sagst du, – Was kann man denn sonst dazu denken? Ist doch trotzdem ein Tunnel.“

Wahrhaftig, Was kann man sonst dazu denken?

Nun, ich probiere es aus meiner Sicht:

 Situation (A)

 Interpretation (I)

 Reaktion (B)

Jemand drängt sich vor dir in einer Schlange in der Schulkantine

"Vielleicht muss er in der nächsten Stunde ein Referat halten und muss das Ganze noch schnell durchgehen" "Vielleicht hat er seit gestern nichts zum Essen bekommen, der Arme..." "Vielleicht hat er mich gar nicht bemerkt?"

Ich ärgere mich nicht, ich frage ihn, warum er es so dringend hat, weise ihn darauf hin, dass ich auch hier warte, frage ihn, ob er Hilfe braucht...

Jemand schaut dich an, sagt irgendwas zu seinem Freund und lacht

"Vielleicht lachen sie ja gar nicht über mich - ist nur ein Zufall" "Vielleicht erzählt er gerade, was wir letzte Woche zusammen angestellt haben" „Vielleicht will er mich wirklich ärgern, aber ich bin doch keine Marionette – ich mache nicht das, was er von mir erwartet“…

Ich ärgere mich nicht, ignoriere das Geschehen und gehe meines Weges, ich lächele vor mich hin...

Dein Freund/Deine Freundin hat ein Treffen mit dir kurzfristig abgesagt und sich statt dessen mit jemandem Anderen getroffen

„Vielleicht hatte er was Dringendes mit dem Anderen zu besprechen.“ „Vielleicht braucht der Andere seine Hilfe.“ „Sie/er ist schließlich meine Freundin/mein Freund – ich vertraue ihr/ihm“.

Ich teile ihr/ihm mein unangenehmes Gefühl mit und frage, was wirklich los war…

Hier habe ich meine Gedanken als Beispiel genommen. Ich habe mich nicht mehr im Tunnel bewegt, sondern auf einem freien Feld mit vielen Wegen und Pfädchen. Möchtest du es mit deinen Gedanken auch probieren? Dann klicke mal hier:

Drei Schritte zum Verhalten